Jahrgangsübergreifender Unterricht


Warum wir in altersgemischten Lerngruppen der Jahrgänge 1-3 arbeiten

   

Die altersgemischte Lerngruppe bietet die Grundlage für die Entwicklung stabiler sozialer Beziehungen und eines positiven Selbstwertgefühls (Ich-Kompetenz), denn sie ermöglicht Kontakte zwischen kleineren und größeren Kindern, so wie sie früher eher in der Familie üblich waren. In der altersgemischten Gruppe sind zudem die pädagogischen Möglichkeiten, ohne Wettbewerbsdruck Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft zu entwickeln und Anerkennung der eigenen Persönlichkeit und Leistung zu erfahren ungleich größer als in Jahrgangsgleichen Gruppen. Negative Rollenzuschreibungen wie:“ ..ist immer der Letzte (Langsamste...)“ werden verhindert, weil jedes Kind auch die Gelegenheit hat, der oder die „Mehrwissende“ und damit auch „LehrerIn“ zu sein.
Die altersgemischte Lerngruppe bietet vielschichtigere Erfahrungen im Zusammenleben und Zusammenarbeiten (Sozialkompetenz) denn in altersgemischten Lerngruppen ist die Unterschiedlichkeit selbstverständlich und kann leichter toleriert werden (z.B. bei lernstarken oder lernschwachen Schülern oder behinderten Kindern).
Rituale und Regeln des Zusammenlebens lernen die Kleinen von den Großen (Modelllernen) und wachsen so (wie das auch in der Familie ist) in soziale Strukturen und Verhaltensweisen hinein.
Das in altersgleichen Gruppen unvermeidbare Messen und Vergleichen tritt in den Hintergrund. So kann sich die Gruppe stärker darauf konzentrieren, vorhandenes Wissen und Fähigkeiten optimal einzusetzen und zu Formen der Teamarbeit zu finden.
Die altersgemischte Lerngruppe hilft, Lernzeit besser zu nutzen und die Schullaufbahn zu optimieren, denn in altersgemischten Lerngruppen ist eine individuelle Förderung jedes Kindes möglich:
  • Leistungsstarke Kinder bekommen Anreize, Lerninhalte mit Größeren zu erarbeiten. Wenn dies zu einer umfassenden vorzeitigen Erarbeitung des Lernstoffs eines Schuljahres führt, ist ein Überspringen einer Klasse möglich, ohne dass die Kinder ihre soziale Bezugsgruppe verlassen. Das Kind geht einfach mit dem zu ihm passenden Jahrgang weiter voran.
  • Kinder mit punktuellen Leistungsschwächen wiederholen und vertiefen in der Arbeit mit Jüngeren Lernschritte im Sinne des „lehrenden Lernens“. Dabei arbeiten sie in einzelnen Lernbereichen am Lernstoff des vorhergegangenen Jahrgangs und festigen so ihren Leistungsstand. Eine Wiederholung/ Verbleib eines Jahrgangs ist möglich, ohne dass die Kinder ihre soziale Bezugsgruppe verlassen und ohne, dass sie bereits Erlerntes noch einmal von Anfang an wiederholen müssen. Sie schreiten einfach ihrem Tempo gemäß voran.
  • Kinder lernen oft schneller/lieber von anderen Kindern. Sie sind sich in Denken und Sprache auch näher, so dass sie manchmal besser erklären oder aber verstanden werden können als Erwachsene. Dies bezieht sich nicht nur auf Lerninhalte, sondern auch auf das Miteinander in der Gruppe und auf das Kennenlernen und Einüben von Arbeitstechniken.
  • Kinder, die in allen Bereichen sehr begabt sind, können die Grundschulzeit in 3 statt 4 Schuljahren durchlaufen. Der emotional belastende Wechsel der Lerngruppe und der Lehrerin entfällt. Durch das individualisierte Lernen ( Lehrgang, Lerntagebuch, Wochenplan) arbeiten die Kinder nach und nach gemäß ihrem Lernfortschritt mit Kindern des höheren Jahrgangs zusammen.
  • Langsamer lernende Kinder verbleiben 4 statt 3 Jahre in der Lerngruppe, ohne dass ein Wechsel der Gruppe oder der Lehrkraft notwendig wird. Durch das individualisierte Lernen (Lehrgang, Lerntagebuch, Wochenplan) bekommen sie so viel Übungszeit in problematischen Lernbereichen zur Verfügung gestellt, wie sie brauchen um sich auch in diesen Bereichen solide Lerngrundlagen zu erarbeiten.
 
 Und wie funktioniert das?
Bausteine der Unterrichtsgestaltung
 
Unser Unterrichtskonzept besteht  im Wesentlichen aus den Bausteinen
„Lehrgang, Lerntagebuch, Wochenplan“  mit den Schwerpunkten Lesen, Schreiben, Rechnen
sowie:
„Projektähnliches Arbeiten oder Werkstattarbeit“, die oft fächerübergreifend, meist mit dem Schwerpunkt Sachunterricht, durchgeführt werden. Hierbei kann es sich um begrenzte- aber auch um sehr umfangreiche Themen handeln.
 
 
Lehrgang, Lerntagebuch, Wochenplan
 
vermitteln den Kindern das „Handwerkszeug“ vor allem im Lesen, Schreiben und Rechnen.
Im Kleingruppenunterricht erwerben sie fachspezifische Grundlagen, die sie benötigen um Material auswerten zu können, sinnentnehmendes Lesen zu erlernen, etwas aufschreiben, mit Tabellen umgehen, Karten lesen, etwas errechnen zu können. Diese Grundlagen werden den Kindern im übergreifenden Gesamt- oder Kleingruppenunterricht vermittelt.
Er ist so gestaltet, dass jedes Kind in den Bereichen Lesen/Rechtschreiben/Grammatik, Schreiben (Druck- und Schreibschrift) sowie Mathematik in seinem Lernprozess individuell fortschreiten kann hinsichtlich
-          seines Leistungsniveaus
-          seines Arbeitstempos
-          seines Lernweges
 
Um Unter- oder Überforderung zu verhindern, wird der Lernstand eines jeden Kindes sowohl am Ende einer Lernzieleinheit durch Lernzielkontrollen als auch mit anderen Testverfahren festgestellt. Diese Lernstandsdiagnostik ist dann Grundlage für die weitere Lernplanung Abhängig vom Lernstand und vom Lernverhalten werden Lern- und Übungsmaterialien jedem Kind zugeordnet. So können in einer Klasse für die Kinder eines Jahrgangs durchaus unterschiedliche Arbeitshefte, Schulbücher, Karteien eingesetzt oder auch die Aufgabenstellungen für die gleiche Aufgabe dem jeweiligen Kind angemessen abgewandelt  werden – eben immer abhängig von den Lernvoraussetzungen dieses Kindes. Bei den Sprechtagen im Schuljahr und bei Bedarf persönlichen oder telefonischen Beratungsgesprächen werden die Eltern informiert über Lernfortschritt und Leistungsstand ihres Kindes.
Diese Vielfalt muss natürlich dokumentiert werden, damit jederzeit eine Übersicht über den Lernweg eines jeden Kindes gewährleistet ist und die weitere Lernplanung qualifiziert vorgenommen werden kann. Dafür entwickelt das Kollegium Lerndokumentationen. Sie sind wichtige Formen der Lernbegleitung.
Es gibt unterschiedliche Arten der Unterrichtsorganisation:
 
 
Die „Kleine Gruppe“
 
Die unterschiedliche Stundenzahl der Jahrgangsgruppen bietet die Möglichkeit zu „Kleinen Gruppen“ in den Randstunden. Diese Form der Außendifferenzierung wird gern genutzt zur Erarbeitung eines Lernschritts mit einer Kleingruppe, oder auch um mit einzelnen Kindern eine Lernplanung vorzunehmen oder die Lernwege zu reflektieren.
In der Kernzeit ( meistens von 7.45 Uhr bis 10.45 Uhr) ist in der Regel die gesamte Lerngruppe anwesend. Als Differenzierungsform hat sich hier der Kleingruppenunterricht bewährt: wenn alle Kinder selbstständig oder mit Unterstützung der Lehrkraft die Arbeit an ihrem „Lehrgang, Lerntagebuch, Wochenplan“ aufgenommen haben, holt die Lehrerin eine Gruppe von Kindern an einen besonderen Tisch oder in den Versammlungskreis. Sie erarbeitet mit ihnen in den nächsten 10-15 Minuten einen neuen Lernschritt, führt ein Unterrichtsmaterial ein oder weiter aus, diktiert einen Text, oder macht Kopfrechenspiele. In dieser Phase  arbeiten die anderen Kinder selbstständig an ihrem Übungsmaterial. Sie sollen die Gruppe und die Lehrkraft nicht unterbrechen. Bei Bedarf helfen sie sich in den jahrgangsgemischten Tischgruppen gegenseitig.
Das im Lehrgang eingesetzte Arbeitsmaterial ist so strukturiert, dass es den Kindern nach der Einführung in das Thema ein weitgehend selbstständiges Arbeiten ermöglicht. An der Auswahl von Material und Aufgaben werden die Kinder nach Möglichkeit im Lauf ihrer Schulzeit immer mehr beteiligt und lernen so, ihren Lernweg zunehmend selbst zu strukturieren. Der Lehrkraft bleibt außerhalb des Kleingruppenunterrichts noch Zeit, sich einzelnen Kindern zuzuwenden, Gespräche über Lernweg, Arbeitsverhalten, differenzierte Hausaufgaben oder andere das einzelne Kind betreffende Themen zu führen.
 
 
 
Die jahrgangsgleichen Unterrichtsphasen
 
Alle Kinder des Jahrgangs 3 werden 4-6 Stunden in der Woche zusammengefasst, um jahrgangsspezifische Lernziele zu bearbeiten, z.B. Lektüren zu lesen, Sachaufgaben bearbeiten zu lernen, Regeln des Geschichtenschreibens zu vertiefen, besondere Sachunterrichtthemen zu erarbeiten. Auch Englisch wird für den Jahrgang 3 jahrgangsgleich unterrichtet.
 
 
Der Projekt- und Werkstattunterricht
 
leitet die Kinder an, die Welt zu verstehen. Phänomene zu erschließen, Sinnzusammenhänge zu erkennen. Er orientiert sich an der Lebenswirklichkeit oder den Interessen der Kinder. Die Themen entstammen meistens dem Sachunterricht. In einem ersten Schritt wird das Thema gemeinsam durchleuchtet. Dabei kristallisieren sich Teilbereiche heraus, die je nach Inhalt und Anspruch mit allen Kindern gemeinsam, von Kleingruppen oder manchmal auch in Einzelarbeit erarbeitet werden. Das dazu notwendige Material tragen Kinder und Lehrerinnen gemeinsam zusammen. Die Lehrkraft hilft, die Arbeitsplanung zu gestalten. Die Gruppen arbeiten häufig auf ein Produkt hin (z.B. Wandzeitung, Mappe, Ausstellung), mit dem die Lernergebnisse präsentiert werden. Manchmal folgt dann auch eine „Veröffentlichung“ bei einem Fest. einem Elternachmittag o.ä.
 
Planung und Vorbereitung des Projekt- oder Werkstattunterrichtsunterrichts
 
Basis der Unterrichtvorbereitung sind unter anderem Themenkisten. Zu vielen Themen wird/wurde im Kollegium eine „Kiste“ erarbeitet. Darin befinden sich alle Medien, die der Schule zu diesem Thema zur Verfügung stehen: Unterrichtswerke, Kindersachbücher. Videos, CD-Rom, Spiele, ….. Herzstück vieler Kisten ist ein Ordner. Hier finden sich Notizen zum Unterrichtsverlauf, Sachinformationen, Auszüge aus Lehrerhandbüchern, Unterrichtsmaterialien und Kopiervorlagen aus allen Lernbereichen, geordnet nach Fächern und Jahrgängen.
Die Vorbereitung für Lehrgangs- und Projekt- oder Werktattunterricht wird zu einem wesentlichen Teil in Teams strukturiert und erarbeitet.
 
 
Der Kreis als verbindende Austauschbasis:
 
Organisation des Alltags, Regeln, Rituale und soziale Kompetenzen werden in Gesprächs- und Vorstellungskreisen vorgestellt und weiterentwickelt. Gemeinsame Herangehensweisen an Themen des Mathematik- oder des Spracheunterrichts sind auch hier ritualisiert: z. B. „mathematisieren“ zur Zahl des Tages oder strukturierende und herleitende Arbeit im Wort- und Satzbereich: („Satz des Tages“, Rechtschreibung). Hier wird auch reflektiert, Feedback gegeben oder Methodisches durch Kinder selbst eingebracht oder durch die Lehrerinnen.
 
 
 
 
Unterrichts- und Arbeitsformen
In allen Klassen werden verschiedene Formen des (offenen) Unterrichts und der Lerndokumentation genutzt.
Freie Arbeit
Lerntheken
Werkstätten
Stationenlernen
Wochenplan (Wap)
Tagesplan
projektorientierte Themenbearbeitung,
Fach-Arbeitspläne (Mathematik)
Lerntagebuch
Portfolio
Logbucharbeit
selbstständige Lehrgangsarbeit,
kooperatives Lernen,
selbstständiges Lernen nach Methoden ( z.B. „reziprokes Lesen im 4. Jg.)
 
 
Viele dieser U-Formen sind fächerübergreifend organisiert.
 
Parallel zur selbstständigen Arbeit gestaltet die Lehrerin/der Lehrer Einführungen zu bestimmten Lerninhalten z.B. in Mathematik, Rechtschreiben, Silbenarbeit.....
Manche Inhalte, die auf dem gleichen Muster bzw. gleichen Prinzipien auf unterschiedlichem Anspruchsniveau - basieren, werden auch jahrgangsübergreifend eingeführt: z. B. Überschreiten von Zehnern/ Hundertern/ Tausendern...; Rechnen mit Zahlenmauern, Verdoppeln und Halbieren... , Rechnen mit Größen, Geometrie, Bauen mit Würfeln...., Körper...
 
Lernzielkontrollen erfolgen ebenfalls oft in kleinen Gruppen, wenn ein Lernabschnitt erreicht ist, manchmal jedoch auch mit der ganzen Klasse- aber dann auf den unterschiedlichen Niveaus.